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2010 in der Klinik für Palliativmedizin:

25. März 2010: Abschied von Dr. Christoph Ostgathe
Februar 2010: Prof. Voltz zum stellvertretenden Vorsitzenden der "AG Palliativmedizin" gewählt
20. Januar 2010: 5 Jahre Lehrstuhl Palliativmedizin in Köln
11. Januar 2010: Tangotanz und Klarinettenmusik


25.03.2010: Abschied von Oberarzt Dr. Christoph Ostgathe

  • "Als ich angefangen hab, ärztlich tätig zu sein, hab ich mir gesagt: Bloß nie an die Universität, nie!" Durch Vermittlung von Prof. Dr. Friedemann Nauck, heute Direktor der Abt. Palliativmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen, kam der leitende Dr. Ostgathe und Prof. VoltzOberarzt Dr. Christoph Ostgathe im Jahr 2004 an das Kölner Zentrum für Palliativmedizin. Am 25. März 2010 feierte er mit dem ganzen Team seinen Abschied. "Heute kann ich nur sagen, dass ich es überhaupt nicht bereue, damals diesen Schritt getan zu haben. Es war auch manche Zeit schwierig, aber ich hatte immer das Gefühl, als der angenommen worden zu sein, der ich bin und das hat mir wirklich immer sehr geholfen," sagte Dr. Ostgathe in seinen Abschiedsworten. Dr. Ostgathe folgt dem Ruf auf die W3-Professur für Palliativmedizin an der Anästhesiologischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Professur ist eine weitere Stiftungsprofessur der Deutschen Krebshilfe e.V..

    VisiteHerr Dr. Ostgathe: Seit 1998 arbeiten Sie in der Palliativmedizin, zuerst in Bonn bei Prof. Klaschick, seit 2004 in Köln als leitender Oberarzt bei Prof. Voltz. Hatten Sie in den vergangenen fünf Jahren in Köln etwas, das Sie besonders wichtig bei Ihrer Arbeit fanden?
    Das waren so viele Dinge. Zum Beispiel an einer Universitätsklinik zu arbeiten war für mich - von einem kleinen Krankenhaus am Rande der Stadt kommend - schon etwas Besonderes. Als ich nach Köln kam, war es für mich eine große Herausforderung aber auch ein großes Glück, in ein System einzusteigen, das seit über zwanzig Jahren funktioniert. Dieses System beim Wandel in die Jetztzeit zu begleiten, Therapiekonzepte zu überdenken, dabei zu helfen, Berührungsängste gegenüber der Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden abzubauen, intergrierend und auch gleichzeitig abgrenzend zu arbeiten und letzendlich auch Fragen der Wirtschaftlichkeit zu bedenken, war gerade in dieser Gleichzeitigkeit sehr spannend. Besonders wichtig war für mich auch, dass wir es hier gemeinsam geschafft haben, mit dem Team um Prof. Raymond Voltz und Thomas Montag die Sektorengrenzen durchlässiger zu machen und die Palliativmedizin über den erfolgreichen Aufbau des Konsildienstes in das gesamtklinische Angebot wirklich zu integrieren und dadurch die oben genannten Ängste abzubauen. Dabei sind wir bei vielen Kliniken - hier seien beispielhaft neben anderen vor allem die Onkologie, Dermatologie und Frauenheilkunde genannt - aber auch beim Vorstand auf großes Wohlwollen und Unterstützung gestoßen.

    Morgenmagazin im PalliativzentrumGab es ein herausragendes Ereignis (oder mehrere), dass Ihnen während Ihrer Arbeit in Köln besonders in Erinnerung geblieben ist?
    Nicht eins, sondern so viele, dass kein Einzelnes hervorsticht. Grundsätzlich sind es natürlich mal die vielen Menschen, die ich getroffen und kennengelernt habe habe, vor allem die Patienten und Angehörige aber auch Menschen aus dem Team. Diese Erfahrungen waren für mich auch Teil des eigenen Lernprozesses. Sicher gibt es eine Handvoll Patienten und ihre Angehörigen, an die ich mich auch heute noch gut mit Namen und mit Erlebnissen erinnere. Das waren oft diejenigen, die sich in einer ganz ähnlichen Lebenssituation, wie ich selbst, befunden haben, in einem ähnlichen Alter, mit Kindern ... vor allem, wenn Kinder unter den Angehörigen waren, hat mich das zumeist sehr berührt: Ihr oft mutiger Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod. Von diesen Kindern habe ich viel gelernt.

    Gibt es etwas, was Sie rückblickend auf Ihre Arbeit in Köln anders gemacht hätten?
    Bestimmt!

    Karneval im PalliativzentrumHaben Sie einen Schwerpunkt, den Sie zukünftig an Ihrem Lehrstuhl in Erlangen setzen wollen?
    Grundsätzlich möchte ich gerne die erfolgreiche Arbeit aus Köln in Erlangen fortführen, auch in Kooperation mit Köln und den anderen Lehrstühlen. Mich interessieren besonders Fragen der Versorgungsforschung und natürlich die sehr aktuelle Entwicklung im ambulanten Bereich, aber auch Themen wie "Todeswunsch und Lebenswille", "Qualitätssicherung" und "Dokumentation".

    Sie sprechen von Kooperation? Wie sehen sie da Ihre Aufgabe in Erlangen?
    Ich würde mich vielleicht als Netzwerker bezeichnen. Die regionale, nationale und internationale Vernetzung liegt mir besonders am Herzen. Hier muss klar sein, dass wir nur über diese engen Kooperationen - bei insgesamt ja eher kleinen einzelnen Einrichtungen - das Feld wirklich in Versorgung, Forschung und Lehre weiter entwickeln können. Erlangen soll hier in Zukunft eine wichtige Rolle übernehmen.

    Gibt es eine unterschiedliche Gewichtung für Sie von Forschung, Lehre und Patientenversorgung?
    Alle sind gleich gewichtet und im Zentrum stehen der Patient und seine Angehörigen. Alle Arbeitsbereiche - Klinik, Lehre und Forschung - müssen sich am Ziel einer bestmöglichen Palliativversorgung ausrichten. Sie dürfen kein Selbszweck sein!

    Karneval im PalliativzentrumHaben Sie noch eine Abschiedsbotschaft, für das Team im Kölner Zentrum für Palliativmedizin, etwas, dass sie Ihren bald ehemaligen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben möchten?
    Neben aller fachlichen Komepetenz ist das, was die eigentliche Stärke der Palliativmedizin darstellt die radikale Orientierung an den Bedürfnissen der Patienten und der Angehörigen. Das ermöglicht es uns doch, dass wir vieles von dem umsetzen können, weshalb viele diesen Beruf gewählt haben. Wir können, nein wir müssen uns Zeit nehmen im Konatkt zum Menschen, bereit sein in Beziehung zu treten und uns auch berühren zu lassen. Das ist eine Aufgabe, eine Herausforderung aber auch ein Privileg und das dürfen wir nicht vergessen. Gleichzeitig braucht es auch Abstand, Freiraum, Erholung, Ruhe um diese Arbeit wirklich ausfüllen zu können. Hierbei ist jeder selbst gefordert, sich ausreichend mit diesen "Energiequellen" zu versorgen. Und vielleicht das als letztes: Bleibt so wie ihr seid, mit dem Mut zur Veränderung! Danke für vieles, was ich hier habe erleben und erlernen dürfen.

    Fotos der Abschiedsfeier am 25.03. 2010 haben wir hier in unserer Bildergalerie bereitgestellt.


Februar 2010: Prof. Voltz zum stellvertretenden Vorsitzenden der "AG Palliativmedizin" gewählt

  • Prof. Dr. Raymond VoltzDer Direktor des Zentrums für Palliativmedizin, Prof. Dr. Raymond Voltz wurde im Februar 2010 zum stellvertretenden Sprecher der "Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin" der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) gewählt. Die "Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin" ist Teil einer Sektion der DKG.

    Die Deutsche Krebsgesellschaft ist in drei Sektionen unterteilt: Sektion A umfasst die Landeskrebsgesellschaften, die in jedem Bundesland als eigenständige Vereine organisiert sind. In der Sektion C sind diejenigen Institutionen zusammengefasst, die sich als Mitglieder der DKG für gemeinsame Ziele forschend und fördernd engagieren. Und in der Sektion B, zu der auch die "Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin" gehört, können Akademiker und Angehörige nichtakademischer Berufsgruppen, die in der Forschung, Behandlung und Bekämpfung des Krebses tätig sind oder sich künftig engagieren möchten, Mitglied werden. Es handelt sich um eine wissenschaftliche Mitgliedschaft. Die Mitglieder der Sektion B sind in Arbeitsgemeinschaften organisiert, die dem Zweck dienen, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen. Sie beraten bei der Vorbereitung der Krebskongresse und organisieren selbst wissenschaftliche Tagungen. Die Gründung oder Auflösung einer derartigen Arbeitsgemeinschaft erfolgt durch Beschluss des Vorstandes.

    Die Arbeitsgemeinschaften teilen sich in zwei Gruppen:
    • Arbeitsgemeinschaft experimentelle Krebsforschung (AEK)
    • Arbeitsgemeinschaft klinische Krebsforschung (AKK)

    Die Arbeitsgemeinschaften geben sich eine Geschäftsordnung, die der Genehmigung des Vorstands bedarf. Sie wählen aus ihrer Mitte einen Sprecher und einen stellvertretenden Sprecher.


20. Januar 2010: 5 Jahre Lehrstuhl Palliativmedizin in Köln

  • "Hier ist man herzlich willkommen ..." Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes ist seit einigen Jahren eng mit der Kölner Palliativmedizin verbunden. Ihre Begeisterung über die Atmosphäre im Dr. Mildred Scheel Haus war deutlich spürbar, als sie am 20. Januar 2010 die Grußworte zum fünfjährigen Jubiläum des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln eröffnete. Scho Antwerpes"Wir sind bestens aufgestellt, aber wir können besser werden und wir werden besser" fasst sie Ihren Eindruck der vergangenen Jahre zusammen. Dies teilte auch Dr. Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe: "Bei einer grundsätzlich positiven Rückschau auf das Erreichte sind wir wahrscheinlich erst bei der Hälfte des Weges zu einer flächendeckenden qualitätsgesicherten Palliativmedizin in Deutschland angekommen." In der Hochschullandschaft ist Palliativmedizin nicht flächendeckend eingerichtet, denn "an vielen Stellen tut man sich offensichtlich schwer, Strukturen zu schaffen, wie wir sie uns eigentlich vorstellen". Dies sei Aufgabe der Politik, der öffentlichen Hand, so Kohlhuber. "Wir sind gerne bereit, Finanzierungen im Sinne von Pilotförderungen oder Impulsförderungen zu übernehmen. Danach muss jedoch sichergestellt werden, dass die Finanzierungen von Bund und Ländern übernommen werden." klärt Kohlhuber die Zuständigkeiten. "Alle die mit Sterbenden zu tun haben, müssen über Kenntnisse aus dem Bereich der Palliativmedizin verfügen. Auch das ist ein Anliegen der Deutschen Krebshilfe, hier unterstützend und fördern mitzuhelfen." Die Krebshilfe hat die Förderung des Lehrstuhls in Köln um zweieinhalb Jahre verlängert und wird dann 1,6 Mio. Euro in den Lehrstuhl investiert haben. Die palliativmedizinischen Strukturen in Deutschland hat sie seit den 80er Jahren mit rund 60 Mio. Euro unterstützt. Damit hat die Krebshilfe auch die Akzeptanz dieses relativ jungen Faches in der Öffentlichkeit gefördert. Die Prodekanin der medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Gabriele Pfitzer schätzt diese Verankerung so ein, dass es "heute ein gesamtgesellschaftliches Interesse an der Ergänzung der modernen Medizin durch Palliativmedizin" gibt. Sie sei "unverzichtbarer Bestandteil der Lehre und Forschung". Trotz dieser positiven Einschätzung berichtete Prof. Dr. Edgar Schömig, der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende der Uniklinik Köln, von seinen ernüchternden Erfahrungen, als er vor Jahren Dekan war. Zu Beginn seiner Amtszeit wurde zur Kostenersparnis das Ansinnen an ihn herangetragen, Professuren zu reduzieren und neue erst gar nicht einzurichten, so auch die für Palliativmedizin. Er lehnte dies damals vehement ab. "Es war eine richtige und vielleicht eine der wichtigsten Entscheidung, die ich als Dekan damals getroffen habe."

    Festvortrag Prof. VoltzProf. Raymond Voltz, Direktor des Zentrums für Palliativmedizin, führte in seinem Festvortrag seine Vorstellungen von der Zukunft der Palliativmedizin in Deutschland aus. Seine Anregungen wurden in der anschließenden Podiumsdiskussion lebhaft aufgegriffen. Vor allem Moderator Jürgen Domian füllte die Diskussion mit Beispielen aus seiner Talksendung. Während früher noch Themen über Sexualität die Einschaltquoten seiner Sendung hochgetrieben hätte, so habe sich bis heute ein Wandel vollzogen. Das Thema "Tod und Sterben" sei mittlerweile zu einem wichtigen Zugpferd geworden und stehe im öffentlichen Interesse.

    PodiumsdiskussionBesonders aber die akademische Zukunft der Palliativmedizin war bei der Podiumsdiskussion Thema. Derzeit blockieren etablierte Fachrichtungen die Entstehung einer eigenständigen Palliativmedizin mit dem Argument "Das haben wir doch schon immer gemacht". Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, weiß aus eigenem privatem Umfeld zu berichten, dass dies nicht der Wahrheit entspricht: Er selbst hatte erlebt, dass einer seiner Bekannten, offensichtlich im Sterben an seiner Krankheit leidend, sogar in einer von der Krebshilfe geförderten Einrichtung keinen Kontakt zu einem Palliativmediziner hatte und daher nicht optimal versorgt sterben musste. Für Nettekoven ein nicht hinzunehmender Mangel. Vor allem auch deshalb, weil die Krebshilfe die Zusage zu vier weiteren Stiftungslehrstühlen gegeben hat, aber die Umsetzungen an örtlichen Widerständen scheitern.

    An der zweistündigen, sehr kurzweiligen Diskussion beteiligten sich auch Prof Dr. Christof Müller-Busch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Dr. Birgit Weihrauch, Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes und Renate Hofer, Koordinatorin des Palliativ- und Hospiznetzwerkes Köln.

    Domian, Dr. Weihrauch, Prof. Mueller-BuschHier kurz zusammengefasst die Forderungen und Ziele, die sich aus der Diskussion ergaben:

    1. Unabhängig von der zugrunde liegenden Krankheit (z.B. Krebs, neurogenerative Erkrankungen und andere chronisch progrediente Erkrankungen) müssen alle betroffenen Menschen zusätzlich zur allgemeinen Palliativmedizin durch z.B. entsprechend ausgebildete Hausärzte auch Zugang zu einer spezialisierten Palliativmedizin bekommen, sowohl ambulant als auch stationär. Hospize und Palliativmedizinische Einrichtungen müssen dafür weiterhin organisatorisch und räumlich von etablierten Strukturen getrennt sein, damit sich nicht bestehende Einrichtungen wie z.B. Altenheime, zu Hospizen erklären und die Qualität der Versorgung damit verwässern.

    2. Das Fach Palliativmedizin muss flächendeckend als eigenständiges akademisches Fachgebiet etabliert werden um eine an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Wissenschaft und Lehre weiterzuentwickeln.

    3. Die spezialisierte Palliativmedizin muss die hospizlichen Grundgedanken und -haltungen ("Hospizidee") mittragen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Multiprofessionalität, die Wertschätzung und Integration ehrenamtlicher Mitarbeiter und das Selbstverständnis als in der Bevölkerung verankerte "Bürgerbewegung".

    4. Aufgrund der Notwendigkeit der multiprofessionellen (und nicht rein ärztlichen) Versorgung der Patienten ist die Entwicklung oder Stärkung akademischer Strukturen für andere palliativmedizinisch arbeitende Berufgruppen notwendig.

    5. Nationale und gut vernetzte, fachübergreifende Kompetenzzentren werden zur Sicherung einer international konkurrenzfähigen Palliativmedizin benötigt.

    Doctor Marrax6. Die Vernetzung der Fachgebiete unter einem partnerschaftlichen Netzwerkgedanken muss von den spezialisierten Palliativmedizinern gefördert werden, damit Betroffenen rechtzeitig der Zugang zur spezialisierten Palliativmedizin ermöglicht wird.

    Nach der Diskussion wurde das Team des Palliativzentrums vom Förderverein Palliativmedizin eingeladen. Prof. Voltz hatte als Überraschungsgast den "Kollegen" und Salonmagier "Doctor Marrax" mit seinem zu erstaunlichen Heilungen fähigen Wundermittel "Marraxofax" engagiert.

    Hier finden Sie die Festschrift als PDF-Download. Ein gedrucktes Exemplar senden wir Ihnen gerne zu.

    Der Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. med. Raymond Voltz

    Scho AntwerpesIm Dezember 2004 folgte Prof. Dr. Raymond Voltz dem Ruf auf den Stiftungslehrstuhl Palliativmedizin der Deutschen Krebshilfe an der Universität Köln. Seitdem wurde das Fach Palliativmedizin in Wissenschaft und Lehre an der Kölner Uni kontinuierlich ausgebaut. Als der Bundestag im Juni 2009 beschloss, Palliativmedizin als Pflichtfach in die Approbationsordnung für Ärzte aufzunehmen, war das Fach in Köln bereits wichtiger Bestandteil der Ausbildung junger Ärzte.

    Der Lehrstuhl in Köln ist der dritte für Palliativmedizin in Deutschland und der erste von mittlerweile sechs bestehenden beziehungsweise fest geplanten, die mit großzügiger Hilfe der Deutschen Krebshilfe e.V. eingerichtet werden konnten. Im Jahr 2010 wird es in Deutschland wahrscheinlich insgesamt zehn Professuren in diesem jungen, aber äußerst wichtigen Ausbildungsbereich geben. Der erste Lehrstuhl in Deutschland wurde 1999 in Bonn mit Prof. Klaschik besetzt.



11. Januar 2010: Tangotanz und Klarinettenmusik

  • Tangotanz Roehn FoersterGut zehn Minuten vor der Aufführung sprachen Gabriele Röhn und ihr Tanzpartner Thomas Förster die Musikstücke mit dem Klarinettisten Roma Kusniarou ab. Bei einem derart kurzen Timining ist selbstverständlich nicht daran zu denken, auch nur Ansätze einer Choreografie vorzubereiten. Aber darum geht es beim Tango auch nicht, denn dieser Tanz ist lebendig und wie das wirkliche Leben: Planung klappt da nur selten, meist muss improvisiert werden. Thomas Förster fasste das treffend zusammen "Tango Tanzen ist wie ein Dialog. Und der läuft wie im normalen Leben: Manchmal gibt es auch Missverständnisse." Aber wie diese getanzte Kommunikation am 1.11. ablief, hat die Zuhörer und Zuschauer im Zentrum für Palliativmedizin völlig begeistert: "Das könnte stundenlang so weitergehen". Und das sahen auch die Künstler so: Klarinettist Kushniarou freute sich über ein Stück von CD, das die Tänzer mitgebracht haben: "Das ist eins meiner Lieblingsstücke, das gebe ich immer als Zugabe." "Eine hervorragendes Zusammenspiel ... eine gelungene Improvisation", so die Tänzer. Und schließlich war das Konzert erst zu Ende, als die gesamte mitgebrachte Musik gespielt war.

    Tangotanz Roehn FoersterIm Sommer 2001 erkrankte Dr. Gabriele Röhn - tätig in einem Labor für neurologische Tumore - an Brustkrebs. "Für mich gehören Tumore ins Labor und nun steht mein eigener Name auf dem Befund!". Gabriele Röhn stammt aus einer musischen Familie. Kunst und Musik sind Bestandteil ihres Lebens. Damals war schon der Tangotanz ihr Lebenselexier und nun wurde sie gezwungen das Training auszusetzen. Doch während der Chemotherapie überkam sie der große Wunsch, wieder zu tanzen, trotz der schwächenden Medikamente. Sie bat ihren Tanzpartner und musste sich, von der Therapie entkräftet, beim Tanz halten und führen lassen. Ganz anders als bisher, denn früher hatte sie versucht, Tango "mit dem Kopf zu tanzen", jetzt war sie gezwungen, loszulassen und sich dem Tanz hinzugeben. "Endlich hatte ich erfahren, was es bedeutet, Tango zu tanzen", sagt sie rückblickend. Während der ganzen Zeit war mir eines besonders wichtig: Ich will wieder tanzen! Dieser Gedanke hat mir Kraft gegeben und mir den Weg gezeigt. Es gab etwas, wofür es sich lohnte, zu leben. Roehn, Der Tanz ins LebenDen Schock der Diagnose, die Mühlen der Therapie, aber auch das neue Leben danach hat Gabriele Röhn in einem Buch niedergeschrieben und mit Fotos dokumentiert.
    Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Förderverein Palliativmedizin Uniklinik Köln e.V.

    Weitere Fotos von der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.




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